Viola
Es braucht doch auch einfach Zeit. Bei dem einen mehr, beim nächsten weniger.
Ich habe Hochs und Tiefs. Mal ist es okay für mich, dass Oona vorausgegangen ist. Ich, und nur ich, denke, es war noch nicht ihre Zeit und ich wollte noch ein paar Jahre mit ihr haben. Aber dass es so gekommen ist, ist okay. Sie wusste nichts davon und hat nicht geahnt, was kommt. Sie war krank und hatte Schmerzen und wer bin ich zu sagen, ich wollte sie da durch schicken nur damit sie mit einem großen vielleicht noch ein paar Wochen länger bei mir bleibt. Wie wären denn diese Wochen für sie geworden? Ich hätte mir wahrscheinlich nicht verziehen, wenn ich sie aus Egoismus und falsch verstandener Liebe bei mir behalten hätte, obwohl sie krank war und Schmerzen hatte. Also dann der Abschied. Die mit Abstand beschissenste Entscheidung, die man treffen muß, wenn man ein felliges Familienmitglied hat. Das ist nun mal das, was man mitkauft. Man weiß das und trotzdem ist man nicht im geringsten darauf vorbereitet, was da auf einen zukommt.
Dann habe ich Tage, an denen gar nichts okay ist für mich. Die kommen so random, dass es mich selbst überrascht. Oder auch erwartet. Wie der Sonntag, ihr Geburtstag. Der erste ohne sie. Oder Silvester. Sie hat es gehasst und trotzdem hatte ich mir gewünscht, mit ihr zusammen unter der Decke zu liegen und diese Nacht auszuhalten.
Dann weine ich. Nicht mehr bis es mich schüttelt, es läuft eigentlich eher leise aus mir raus.
Diese Tage sind aber seltener geworden. Dass ich richtig weinen muß, ist seltener geworden. Die Traurigkeit und die Sehnsucht ist geblieben. Ich kann lachen und trotzdem traurig sein. Und ich denke, das wird mir noch eine ganze Weile bleiben.
Dass vier Wochen nach ihr unser Hundebub eingezogen ist, war eher Zufall und nicht geplant. Aber gerade jetzt denke ich, den hat mir der Himmel geschickt. Oder Oona. Ich kann da nur für mich sprechen, aber da er so früh nach ihr eingezogen ist, hat mir geholfen. Das Loch war nicht ganz so tief.
Und bei ihm werde ich es etwas anders machen. Es soll noch ein weiterer Hund einziehen, später irgendwann. So dass Taavi noch Zeit mit dem neuen Hund hat und ihm etwas den Weg weisen kann. Und für mich, damit der Abschied von Taavi dann nicht so traumatisch wird wie der von Oona.
Das klingt vielleicht etwas herzlos, aber es ist alles andere als das. Ich liebe Hunde und so lange ich diese Liebe im Herzen habe, werde ich immer wieder einem weiteren Hund diese Liebe geben.
Gib dir Zeit ❤️