Liebe Jane,
zunächst einmal drücke ich Dich aus der Ferne und bitte Dich, Dir keine Vorwürfe zu machen. Alles, was Du für Deine Emma getan hast, hast Du mit Deinem Herzen entschieden. Es blieben keine ‚langen Vorlaufzeiten‘ , erst einmal alles in Ruhe abzuwägen und zu entscheiden.
In meiner Kindheit hatten meine Eltern einen Dackel. Den ließen sie auch in der Annahme, das Beste zu tun, in der Obhut eine Tierarztes. Er starb dort, einsam und ohne vertraute Menschen… das liegt mir bis heute auf der Seele, auch wenn es über 45 Jahre her ist. Bei meinen Hunden habe ich es anders gemacht. Axel, der am 06.12.2023 über die Regenbrücke ging, war nur eine einzige Nacht nach einer sehr schweren OP in der Klinik und ich im Hotel nebenan! Danach war er nie wieder eine Nacht allein und ohne mich oder meinen Mann. Egal was war, ich blieb bei ihm. So manche Nacht saß ich in der Notfallaufnahme, wenn mal wieder eine Infusion fällig war. Und zwar auf dem Boden, neben meinem Hund. Denn auch nur dann blieb er ruhig, weinte nicht oder bellte. Meine Gegenwart bedeutete immer Sicherheit für ihn. Bei jeder Untersuchung war ich immer dabei. Aber - für diese ‚Erkenntnis‘ hat es erst eine sehr bittere Erfahrung gebraucht. Von Beginn an hatte ich unserer Tierklinik mitgeteilt, dass ich meinen Hund niemals allein zurücklassen würde. Mittlerweile gibt es auch Kliniken, die Zimmer für die Hundeeltern anbieten. Nein, dass muss nichts aufregendes sein, aber ich möchte bei meinem Tier sein, für das ich mit dem Tag seines Einzugs in Leben auch Verantwortung übernommen habe.
Es ist schön, dass Du Deine Emma halten konntest und sie bis zur Regenbrücke begleitet hast. Diesen bittersüßen Moment kann Dir keiner nehmen und sollte für Dich auch etwas versöhnliches haben. Und Dein wundervoller Hund hat ihre Entscheidung ‚selbst‘ getroffen.
Es ist immer zu früh und zerreißt einem das Herz, denn es ist so viel mehr, als eben ein Hund.
Mit traurigen Grüßen
Christine
Der Kopf hat verstanden - aber das Herz will nicht begreifen
(Clemens Brentano).