Die ersten Schneeflocken tanzen am Himmel und Martha ist nicht dabei.
Die erste Adventsdeko leuchtet in den Fenstern und Martha ist nicht dabei.
Gerade ist es unerträglich schwer. Eigentlich war ich guter Dinge, die schlimmste Phase hinter mir zu haben und langsam zu akzeptieren, dass es ist wie es ist.
Doch auf einmal hat mich die Trauer wieder fest im Griff. Am liebsten würde ich mich verkriechen und erst nach Silvester wieder auftauchen.
Hinzu kommt, dass mich Kasia zusätzlich an meine Grenzen bringt. Sie entpuppt sich als völlig erziehungsresistent und auch meine Hundetrainerin ist von ihrer Sturheit beeindruckt.
Vorgestern wollte sie unbedingt etwas von meiner heißen Nudelsuppe haben. Ich habe den Fehler gemacht, am Couchtisch essen zu wollen, da ich spät aus der Praxis kam, wirklich fertig von der Arbeit war und wenigstens einmal am Tag Nachrichten schauen wollte.
Kasia ist dann auf die Couch gesprungen und hat versucht auf den Tisch zu springen. Ich habe sie dann mit einer wirklich ruhigen Armbewegung zurück geschoben und dann hat sie so zugebissen, dass innerhalb von Minuten mein ganzer Pulloverärmel durchgeblutet war. Ich bin natürlich erschrocken, hab den Arm reflexhaft weggezogen und dabei die Schüssel umgestoßen. Couch, Boden, Tisch.... überall war die Suppe verteilt. Sie hat sich natürlich gleich drüber hergemacht.
Das war natürlich ein super tolles Erfolgserlebnis für den Hund: ich beiße zu und schon bekomme ich was ich will.
Allerdings wenn wir am Küchentisch essen, dann schaltet sie auf Dauerbellen.
Egal ob sie mit Kaustange in ihrer Box ist, oder mit in der Küche ist.
Überhaupt bellt sie ständig. Egal ob sie spielt, ob jemand durchs Treppenhaus geht oder ein Geräusch von draußen kommt.
Sie ist dann auch nicht mehr ansprechbar.
Komischerweise macht sie das in der Praxis nicht. Da ist sie wirklich brav, jeder wird freudig begrüßt und bei meiner Chefin sitzt sie mit Vorliebe auf dem Schoß und lässt sich kraulen.
Bei mir gar nicht dran zu denken. Sie wedelt nicht mal, wenn sie mich sieht.
Auch kann ich sie keine Minute alleine lassen.
Ich habe das Training sekundenweise gestartet. Mal kurz aus dem Zimmer usw.
Sofort wird gebellt. Sie folgt mir auf Schritt und Tritt, aber nicht weil sie so an mir hängt, sondern sie kontrolliert mich dabei.
Schlafen tut sie nur, wenn ich neben ihr sitze.
Stehe ich kurz auf, ist sie sofort wach und läuft mir hinterher.
Ich habe seit über 30 Jahren Hunde und glaube schon, mich ein wenig auszukennen, aber so ein Exemplar hatte ich noch nie.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie spürt, dass ich noch in Gedanken soviel bei Martha bin und sie merkt meine Trauer.
Dabei habe ich sie wirklich sehr gerne und wenn ich mit ihr agiere, dann hat Martha auch Pause.
Heute habe ich wieder eine Einzelstunde bei meiner Trainerin und ich denke wir müssen noch einmal ganz von vorne beginnen.
Nun genug geklagt, ich wünsche euch ein entspanntes Wochenende und ein wenigstens halbwegs stabiles Gemüt.
Liebe Grüße Sabine