Sara
Ich denke, da geht es uns sehr, sehr ähnlich.
Man spürt den Wandel, der sich anbahnt und kann diesen aber nicht aktiv mitgestalten, weil man gar kein Konzept hat, wie es denn weitergehen soll.
Natürlich habe ich in meinem Leben schon oft erfahren, dass sich Pläne nicht verwirklichen lassen und sowieso meistens alles anders kommt als geplant.
Aber dann hat man sich eben umstrukturiert und da wo sich eine Tür geschlossen hat, tat sich eine Andere auf.
Mittlerweile bin ich Mitte 50 und stehe zum ersten Mal in meinem Leben so ganz ohne Plan da.
Als mein Mann sich trennte, war ich zwar traurig, aber die ganz große Verzweiflung blieb aus. Mein erster Sohn ist sehr früh von daheim weg und als erstes für zwei Jahre nach Australien gegangen. Ich fand es zwar Schade, dass er so weit weg ist, aber ich habe mich auch sehr für ihn gefreut, dass er eine so tolle Erfahrung machen darf.
Außerdem hatte ich ja noch den Kleinen im Haus.
In den letzten Jahren ist auch der immer eigenständiger geworden und ich habe gespürt, dass nun die Zeit kommt, in der er das Nest endgültig verlassen wird.
Da war und ist mir schon sehr wehmütig ums Herz, aber ich dachte mir immer, dass ich meine Kinder ja genau dahingehend erzogen habe. Sie sollten selbständig und stark in ihr eigenes Leben aufbrechen.
Wenn er dann wieder mal ein Wochenende unterwegs war, hab ich die Zeit genutzt und mit Martha schöne Ausflüge gemacht.
Und oft hab ich zu ihr gesagt: bald sind jetzt nur noch wir beide übrig. Da machen wir dann tolle Hundesachen und pflegen am Abend auf dem Sofa unsere Alterszipperlein.
Ich habe mir einfach nicht vorstellen können, dass sie dann nicht mehr da ist. Sie war ja erst elf und völlig fit.
Klar, ab und zu habe ich mir natürlich schon Gedanken gemacht, was in meinem Leben noch passieren soll, wenn auch sie einmal nicht mehr da ist, aber irgendwie war ich felsenfest davon überzeugt, dass erst das Kind auszieht und dann in einigen Jahren der Abschied von Martha ansteht. Eine anderen Verlauf gab es in meinem Kopf nicht.
Ich habe immer mit dem Gedanken gespielt, dann eine kleine Wohnung zu suchen, eventuell sogar an der Nordsee. Beruflich bin ich zwar zufrieden, auch in unserer Praxis fühle ich mich sehr wohl, aber für die letzten Jahre vor der Rente und nach Martha habe ich immer davon geträumt etwas mit Wildvögeln zu machen. Ich habe da auch Zusatzqualifikationen. Da wäre die Nordsee natürlich prädestiniert.
Jetzt ist es genau andersherum gekommen.
Martha ist tot und mein Kind studiert und kann sich noch keine eigene Wohnung leisten. In Bayern sind die Mieten absurd hoch und wir verstehen uns ja gut, Platz ist auch da, also bleibt er erstmal hier wohnen.
Diesmal wirft mich das alles aber aus der Bahn. Ich habe keine Ahnung was ich will ( außer Martha zurück und zwar dalli) , wie es weitergeht und was da noch kommen soll.
Es herrscht Stillstand.
Mit Kasia geht es mir vermutlich ähnlich, wie dir mit Donna.
Ich bin sehr froh, dass sie da ist. Sie hält mich auf Trab, bringt wieder Struktur in meinen Alltag, sorgt für genügend Bewegung an der frischen Luft und man fühlt sich nicht so alleine. Aber diese innige Paule/Martha Geschichte ist es bei weitem nicht.
Gut, sie ist gerade mal vier Wochen hier und ein kleiner Welpe, der noch alles lernen muss und ich denke da wird noch einiges an Bindung entstehen, dennoch hatte ich nach dieser Zeit mit Martha schon ein wesentlich innigeres Gefühl der Zusammengehörigkeit, als mit ihr. Irgendwie war bei uns sofort klar, wir gehören zusammen!
Kasia und ich haben täglich Kämpfe. Sie frisst alles was sie finden kann, beißt alle Dinge kaputt, deren sie habhaft wird und wenn ich ihr klarmachen will, dass das nicht okay ist, geht sie regelrecht durch die Decke. Meine Arme sehen aus, als würde ich mich ritzen, so aufgebissen sind sie. Da kommt noch ein hartes Stück Arbeit auf uns beide zu.
Ich befürchte, sie spürt sehr genau, dass ich mich noch nicht zu hundert Prozent auf sie einlassen kann, weil meine Gedankenwelt in der Vergangenheit festhängt. Das spiegelt sie natürlich und das tut mir so leid.
Ich hoffe, dass ich da bald eine Lösung finde, aber auch da fehlt mir gerade der Plan.