Stefanie Vorhin hat Oscar seinen Futterball durchs Wohnzimmer geworfen und ich musste so lachen. Und gleichzeitig hab ich geweint weil ich Emma so vermisse.
Offenbar geht sowas wirklich. Ich muss auch täglich herzlich über Kasia lachen, weil sie soviel lustigen Unfug macht.
Und gleichzeitig ist die Trauer und der Schmerz über Marthas Verlust allgegenwärtig.
Die Tage werden kürzer, die Dunkelheit, der Jahrestag von Marthas Einzug machen es gerade sehr schwer. Oft laufen schon die Tränen, bevor ich überhaupt die Augen geöffnet habe.
Und dann ständig das schlechte Gewissen, das ich Kasia gegenüber habe. Sie bekommt alles was sie braucht. Nicht nur an materiellen Dingen, sondern auch jede Menge Aufmerksamkeit, Spieleinheiten usw.
Und doch tue ich mir sehr schwer damit, sie so ganz nah an mich heran zu lassen. Emotional. Ich habe da irgendwie eine Blockade. Vermutlich habe ich Angst, nocheinmal eine so enge Bindung mit einem Hund aufzubauen um dann erneut diesen Schmerz zu verspüren, wenn der gemeinsame Weg endet.
Zur Zeit denke ich viel darüber nach, warum ich so sehr in dieser Trauer feststecke.
Es ist da natürlich diese enge Seelenverbindung, welche ich mit Martha hatte.
Aber andererseits ist es glaube ich auch die Trauer um einen unwiederbringlich verlorenen Lebensabschnitt.
Als Martha zu uns kam, befand ich mich im totalen Umbruch meines eigentlich geplanten Lebens.
Die Trennung von meinem Mann, Umzug, großer Sohn fast aus dem Haus und die Unsicherheit, ob mein jüngster Sohn das alles packt, ob ich das Leben als Alleinerziehende sowohl finanziell, als auch organisatorisch auf die Reihe bekomme, wie es nach meinem Unfall gesundheitlich weiter geht und und und.
Ich habe mir ständig Sorgen gemacht und dann kam alles ganz anders.
Martha, mein Sohn und ich bildeten eine unzertrennliche Einheit, meisterten alle großen und kleinen Hürden und waren einfach nur glücklich miteinander.
Rückblickend war es die schönste Zeit in meinem bisherigen Leben. Ich war erfüllt von einer tiefen Zufriedenheit und hätte es mir nicht besser wünschen können.
Natürlich wurde mein Kind größer und machte mehr und mehr sein eigenes Ding. Gemeinsame Unternehmungen wurden selten und der eigene Freundeskreis wurde wichtiger als die Familie. Aber das habe ich immer als gut, richtig und wichtig empfunden.
In der gemeinsamen Zeit zu Hause, im Urlaub, oder an Feiertagen, war aber nach wie vor spürbar, welche Verbundenheit nach wie vor zwischen uns Dreien herrscht.
Mein Kind hat immer gesagt, das Rudel hält zusammen.
Mit Marthas Tod hat sich das irgendwie aufgelöst. Wir verstehen uns gut, aber es ist ganz anders geworden.
Es ist ganz schwer zu beschreiben, wir haben keine Konflikte, verstehen uns gut, aber es hat sich etwas verändert. Mein Kind will und soll in sein eigenes Leben starten und sagt sogar, dass es für ihn jetzt leichter ist, da Martha nicht mehr da ist.
Und ich begreife, dass ein Lebensabschnitt zu Ende geht, von dem ich zwar wusste, dass er endlich ist, mir aber gewünscht hätte er würde immer so weiter gehen.
Natürlich unrealistisch, aber trotzdem habe ich da immer schnell die Augen verschlossen und es weggeschoben. Ich hatte ja auch Martha für die nächsten zwanzig Jahre fest eingeplant.😉
Und jetzt ging das Alles ganz schnell Hand in Hand. Ich habe gerade ganz große Anpassungsschwierigkeiten und wünsche mir einfach diese unbeschwerte Zeit zurück.
Vielleicht fällt es deshalb so schwer, weil mit Martha noch soviele andere Sachen gegangen sind, die mir etwas bedeutet haben?
Ich denke mir oft, dass bei allen hier, die so schwer aus ihrer Trauer heraus finden, eventuell auch andere Komponenten mitspielen. Das der Tod des geliebten Hundes auch einen völlig neuen Lebensabschnitt mit sich bringt und man eigentlich noch von viel mehr Abschied nehmen muss.