Ihr Lieben,
Achtung es folgt ein langer Text.
Ich habe mir den Hund angeschaut und bin gerade wieder zurück.
Eine Freundin hatte mir den Kontakt vermittelt.
Es handelt sich um ein kleines Mischlingsmädchen, keine Ahnung welche Rassen da mitspielen. Sie ist jetzt acht Wochen alt.
Warum einen Welpen und keinen Hund aus dem Tierschutz?
Wie ja schon erwähnt arbeite ich in einer Tierarztpraxis und dort haben wir alle unsere Hunde dabei. Insgesamt sieben Stück.
In der Vergangenheit hat es sich einfach bewährt, wenn in diese Gruppe immer wieder junge Hunde dazugestoßen sind. Die haben sich alle immer gut eingefügt und es gab keine größeren Probleme.
Es ist ja so, dass das ja laufen muss, denn wir sind ja beschäftigt und müssen uns darauf verlassen, dass die Gruppe funktioniert, ohne dass wir ständig ein Auge darauf werfen müssen.
Der zweite Grund ist, dass es unheimlich schwierig ist an einen Tierschutz Hund zu kommen, welcher nicht aus dem Ausland kommt. Bitte um Himmels Willen nicht falsch verstehen, ich habe überhaupt nichts gegen Auslandshunde, aber ich habe wahnsinnig Angst vor den sogenannten Mittelmeerkrankheiten, die solche Tiere mitbringen können. Ich habe da im Berufsleben schon schreckliche Sachen erleben müssen.
So, jetzt zu der kleinen Maus: ein super lieber, tapsiger Welpe. Aufgeschlossen, aber nicht aufdringlich und sehr freundlich.
Der Wurf war ungeplant. Trotzdem werden die Welpen liebevoll im familiären Umfeld großgezogen. Sie kennen Katzen, Hühner, Hasen und noch einiges mehr. Laut ihres Haustierarztes sind die gut entwickelt, gesund und gepflegt.
Beide Elterntiere durfte ich kennen lernen. Es sind freundliche entspannte Hunde.
Die Kleine wird etwas größer werden als meine Martha, aber auch das wäre mir recht.
Ehrlich gesagt, war mir persönlich die Martha immer ein wenig zu klein, aber ich habe damals bewusst so entschieden, da ja mein Sohn auch erst neun Jahre alt war und wollte einen Hund, den auch er händeln kann.
Sie sieht völlig anders aus als Martha und auch das gefällt mir, denn ich denke es wird mir leichter fallen nicht zu vergleichen.
Habe ich eine Verbindung zu ihr verspürt, hat sie mich tief im Innersten berührt?
Ganz kurz und klar: Nein!!!
Aber: wenn ich ehrlich bin, war das bei Martha auch so. Ich war auf der Suche nach einem Hund, da unsere alte Hündin mit fast 16 Jahren gestorben war.
Die Besitzer des Muttertiers waren Kunden in unserer Praxis, dieser eine Welpe war noch übrig und ich habe die Gelegenheit beim Schopf ergriffen.
Ich weiß noch die ersten Tage, nach ihrer Ankunft hier. Wir haben uns gegenseitig beäugt waren uns ziemlich fremd.
Nie im Leben habe ich damals gedacht, dass sich daraus eine so so so große Liebe entwickeln wird.
Martha war der vierte Hund in meinem Leben.
Ich habe sie alle geliebt und sie sind unvergessen.
Jedoch gibt es anscheinend wirklich diesen einen Seelenhund. Eine so tiefe Verbundenheit, die man noch nie zu einem Hund hatte. Das war Martha.
Keine Ahnung, ob sich das auch nur annähernd wiederholen kann???? Eigentlich glaube ich nicht daran. Das muss aber auch nicht sein, diesen Anspruch habe ich überhaupt nicht.
Mir ist klar, dass es ein neuer Hund, ein neuer Anfang und nicht das Festhalten und fortführen wollen dessen ist, was ich verloren habe.
Darum denke ich schon, dass es mir gelingt mit einem neuen Hund eine neue, andere Beziehung aufzubauen. Der weiß ja nichts von meiner Verbindung mit Martha und kann daher auch keine Vergleiche ziehen.
Ich habe mir nun einige Tage Bedenkzeit erbeten und auch zugesichert bekommen.
Auf der Rückfahrt musste ich furchtbar weinen. Ich habe mit Martha geschimpft und sie gefragt, warum es sein muss, dass ich jetzt in dieser Situation bin. Ich will sie an meiner Seite und das bitte sofort und für immer. Und sie möge mir doch bitte, bitte ein Zeichen geben,ob ich das richtige tue (obwohl ich an sowas ja eigentlich nicht glauben kann).
Dann dachte ich mir, dass es vermutlich gescheiter ist, mich jetzt aufs Autofahren zu konzentrieren und habe mich zusammen gerissen, hab das Radio angestellt und als nächster Song kam: was soll das von Grönemeyer. War das nun das gewünschte das Zeichen? Ich habe das erste Mal seit Marthas Tod laut lachen müssen. Typisch Martha: besitzergreifend und eifersüchtig bis zum Schluss. Sie war so ein Kontrollfreak.
Na ja, jetzt sitz ich hier, schreib an euch wie versprochen und habe viel zum Nachdenken.
Liebe Grüße