[unbekannt]
Danke für deine Antwort.
Ich kann deine Lage sehr gut nachvollziehen. All das, was du geschrieben hast, könnte auch von mir stammen. In meinen jungen Jahren war ich ein sehr unbeschwerter, optimistischer Mensch, habe einfach drauflos gelebt und wenn Probleme auftraten, wurden sie irgendwie gelöst.
Selbst große Herausforderungen wurden angegangen und gemeistert, so gut es ging.
Ich hatte vor Jahren einen schweren Reitunfall, bei dem ich mir zweimal die Wirbelsäule gebrochen habe. Damals stand erst die Diagnose Querschnittslähmung im Raum, die sich zum Glück nicht bewahrheitet hat. Allerdings konnte ich danach meinen Beruf als Bereiterin nicht mehr ausführen und musste mich auch von meinen eigenen Pferden trennen. Ich habe dann noch einmal einen neuen Beruf (Tiermedizinische Fachangestellte) gelernt in dem ich bis heute tätig bin. Mein Mann lernte während meiner Rekonvaleszenz schon eine neue Frau kennen und die Beziehung zwischen uns zerbrach.
Ich stand da, gesundheitlich beeinträchtigt, mit zwei Kindern, zwei Katzen und einem Hund ( damals noch Marthas Vorgängerin, und nur einer Teilzeitstelle.
Mit diesem Gepäck auf den Schultern eine neue Wohnung zu finden, schien völlig aussichtslos, aber es klappte sehr schnell.
Ich habe den nettesten Vermieter der Welt und wohne immernoch dort.
Mein Mann bereute die Trennung bald und wir beschlossen es noch einmal zu versuchen, allerdings blieb ich in meinem Haus.
Dann starb meine alte Hündin und Martha zog ein. Kurz darauf trennten sich mein Mann und ich dann endgültig.
Ich erkämpfte mir eine Vollzeitstelle und fing noch einen Nebenjob an.
Es war oft anstrengend, aber es klappte alles.
Martha fügte sich wie das letzte Puzzleteil in unsere Familie ein und machte mit ihrer einfachen Art, das Ganze rund.
So lief es dann jahrelang und obwohl wir finanziell auch nicht auf Rosen gebettet sind, kommen wir ganz gut durch.
Als das alles bewältigt war, ging bei mir das Gedankenkarussell los. Ich konnte nur noch schlecht schlafen, war ständig erschöpft und grübelte und grübelte.
Das geht bis heute so.
Ich mache mir laufend Gedanken darüber, was alles passieren könnte, was ich anders machen könnte um etwaiges Unheil abzuwenden, welche Probleme in Zukunft auftreten können usw.
Ich sehe die Gegenwart kaum noch, vor lauter Sorge was in der Zukunft sein könnte.
Auch die letzte Zeit mit Martha, konnte ich kaum mehr genießen, weil ich mir ständig Gedanken darüber gemacht habe, wie ihr Alter wird, was für Krankheiten sie entwickeln könnte und all diese Sachen.
Ich habe mich auch deshalb so schnell für einen neuen Hund entschieden, weil ich weiß, je länger ich zögere, umso mehr Macht bekommen meine Gedanken über mich.
Es ist ja jetzt schon so. Ich frage mich den ganzen Tag, ob die Entscheidung richtig war, ob ich der Neuen gerecht werde, welche (teuren) Krankheiten sie bekommen könnte, ob sie sich gut in unser Leben einfügt, ob ich sie lieben lerne und zuletzt, ob ich Martha dadurch verrate.
Ich bin sicher, je länger ich gewartet hätte, umso unwahrscheinlicher wäre es gewesen, dass ich nocheinmal einen Hund in mein Leben aufnehme.
Auch zu mir sagen Menschen oft, ich denke alles kaputt und mache mir Sorgen über Sachen, welche ich ja überhaupt nicht beeinflussen kann. Es kommt sowieso alles immer anders als man denkt und dann werden sich auch wieder Lösungen finden.
Trotzdem ist es schwer aus dieser Spirale rauszufinden.
Ich erkenne mich gut in dem was du schreibst und glaube dass wir da ähnlich gestrickt sind.
Vielleicht stehst du dir auch selbst im Weg, blockierst dir dadurch, wie ich, eine offenere Sicht auf viele Dinge.
Man hat ja nur dieses eine Leben und es wäre doch furchtbar Schade, wenn man neue schöne Erfahrungen und Erlebnisse verpasst, weil man sich ständig Gedanken darüber macht, was alles schief laufen könnte.
Vielleicht ist es das, was ich von Martha lernen sollte: mehr im Hier und Jetzt zu leben und mir weniger Sorgen über die Zukunft zu machen.
Ganz liebe Grüße