Ragna Vielleicht kann Martha da eine Auskunft geben
Also eine Unterdosierung des Narkosemittels schließe ich aus. Das wird genauestens berechnet und nicht Auge mal Pi abgemessen.
Es gibt zwar einen gewissen Spielraum in der Dosierung und man bleibt dabei erstmal an der unteren Grenze, da es sonst gerne mal zu schwallartigem Erbrechen, oder sogar zu Krämpfen führen kann.
Wenn ein Tier lange braucht um einzuschlafen, kann das unterschiedliche Gründe haben: hat der Hund noch gefressen, oder war er nüchtern, wieviel Fettgewebe hat er gehabt, wie war der Blutdruck? Manche Tiere wehren sich auch gegen den Kontrollverlust. Nicht aus Todesangst, sondern nur weil sie dieses Schwummrigwerden nicht einordnen können.
All dies, passiert nicht nur bei der Euthanasie, sondern auch bei ganz normalen Narkosen vor einer OP.
Beim Menschen gibt es dafür ja extra immer das Vorgespräch mit einem Anästhesisten, gerade weil eine Narkose völlig unterschiedlich verstoffwechselt wird.
Etwas anders verhält es sich mit einer Inhalationsnarkose, aber das ist ja nur unter Klinikbedingungen möglich.
Die meisten Haustierpraxen verwenden die sogenannte Injektionsnarkose, das heißt, das Narkosemittel wird in den Muskel injiziert.
Bei der Euthanasie im Zuhause geht das auch gar nicht anders.
Es hat wirklich wirklich wirklich nichts damit zu tun, dass sich das Tier darüber bewusst ist, was jetzt passieren wird.
Auch bei ganz popligen Kastrationen haben wir das ständig. Der eine ist ratz fatz weg im Reich der Träume, der andere braucht zwanzig Minuten, bis er sich überhaupt hinlegt.
Es ist das eigene Hadern über diese letzte endgültige Entscheidung, die diese Gedanken hervorrufen. Das findet wirklich nur im eigenen Kopf statt.
Eigentlich ist es doch gut, dass es die Möglichkeit gibt unsere Hundefreunde von ihrem Leid zu erlösen.
Ich denke da oft an meine Großmutter, welche mit 92 Jahren gestorben ist. Sie hat ihr Leben lang viel gelesen und man hat sie eigentlich immer mit der Nase in einem Buch gesehen.
Sie war bis zum letzten Tag geistig völlig klar, lag aber schon Monate im Bett und konnte wegen einer Augenerkrankung nicht mehr lesen oder fernsehen. Wie oft hat sie unter Tränen zu mir gesagt: ich glaube der liebe Gott hat mich vergessen. Ich liege hier, schau an die Decke und kann selber gar nichts mehr.
Sie wollte schon wochenlang sterben und durfte nicht.
Ich hätte mir damals sehr gewünscht, dass es möglich gewesen wäre, ihr das Sterben zu erleichtern.
Bei Martha durfte ich das. Zumal man ja einem Hund nicht erklären kann, warum es ihm nicht gut geht, warum er Schmerzen hat.
Deshalb sollten wir unseren Frieden mit der Entscheidung machen. Keiner hat das leichtfertig entschieden und es hätte mittelfristig auch nichts geändert. Auch ein paar gute Tage oder Wochen hätten nichts daran geändert, dass das Lebensende erreicht ist. Und auch ein paar Wochen länger, hätte uns den Abschied nicht leichter gemacht.
Immer wieder sehe ich Martha, als die Narkose wirkte, so friedlich und entspannt neben mir und meinem Sohn liegen und doch war da das Wissen: das war es jetzt. Das sind ihre letzten Minuten in unserem gemeinsamen Leben.
Das ist brutal, hart und nach wie vor unbegreiflich.
Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir im Sinne des Hundes richtig entschieden haben.